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Artist in Residence Académie Galan.
4. - 26. August 2017

Académie Galan

Artist in Residence in der Académie Galan.
Galan, Frankreich

Dreieinhalb Wochen in Galan, einer von Rolf Thiele, einem Braunschweiger Künstler und ehemaligen Professor der Kunstakademie Bremen aufgebauten Künstlerresidenz. Man fühlt sich wie im Kloster, wandelt über Wege und Umwege, die wie Hirnwindungen vom Haupthaus in die Landschaft ausstrahlen, bewundert die herrlichen Pflanzenanlagen, genießt die weite Aussicht über das hügelige Land am Fuß der Pyrenäen. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Charakter, meines ist „das Schiff“. Von hier aus sehe ich die gesamte Anlage, hinunter auf den Kreuzgang, den wir Stipendiaten zu gestalten angetreten sind. Nun ja - eigentlich sind wir das nicht. Ich hatte mich beworben um die Gestaltung einer von zwölf Säulen, die einzeln in der Landschaft stehen. Man spaziert den Weg entlang und plötzlich, an einer Kurve, erscheint eine Säule; an meiner sollten Kacheln mit einer Bildergeschichte befestigt werden, ähnlich wie bei meinen anderen Kachelarbeiten, nur eben nicht flach.

Nun also die „Pathosformel“, wie Thiele sagt. Ich denke: dann fügt sich meine Bildergeschichte an der Säule nicht ein in ein Gesamtkonzept, sondern ist Teil eines ruinenhaften, undurchdachten Sammelsuriums. Ich wähle eine andere Lösung, die der Auflösung: die Kacheln sind von der Säule abgefallen, liegen daneben wie bei einer echten Ruine. An der Säule befestigt ist nur meine Entwurfszeichnung. So wird die Konstruktion in ihre formalen Einzelteile zerlegt, die Idee und ihre materielle Gestalt stehen im Dialog wie der Säulenkörper und sein Schatten.

Zwischendrin, inmitten von Machtkämpfen und technischen Problemen, die die praktischen Unzulänglichkeiten der rein auf das Kontemplative zurückgezogenen Kunstauffassung des Herrn Thiele offenbaren, baue ich eine kleine Faunin aus Ton und lege sie vor die noch ungebrannten Kacheln, forme ein Kapitell, in das verschiedene Eindrücke meines Aufenthalts eingearbeitet sind, Abbilder von Dingen des Lebens, die da waren oder die fehlten, und die man für die Kunst manchmal unbedingt braucht (Eros, Totenschiff (leider kein Foto verfügbar), Palmblatt, Handschellen).

Fazit dieses Aufenthalts: "l'enfer est pavé de bonnes intentions"; aber immerhin habe ich verstanden, dass mein Eremitendasein in der Kunst hiermit endgültig passé ist.

Dreieinhalb Wochen in Galan, einer von Rolf Thiele, einem Braunschweiger Künstler und ehemaligen Professor der Kunstakademie Bremen aufgebauten Künstlerresidenz. Man fühlt sich wie im Kloster, wandelt über Wege und Umwege, die wie Hirnwindungen vom Haupthaus in die Landschaft ausstrahlen, bewundert die herrlichen Pflanzenanlagen, genießt die weite Aussicht über das hügelige Land am Fuß der Pyrenäen. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Charakter, meines ist „das Schiff“. Von hier aus sehe ich die gesamte Anlage, hinunter auf den Kreuzgang, den wir Stipendiaten zu gestalten angetreten sind. Nun ja - eigentlich sind wir das nicht. Ich hatte mich beworben um die Gestaltung einer von zwölf Säulen, die einzeln in der Landschaft stehen. Man spaziert den Weg entlang und plötzlich, an einer Kurve, erscheint eine Säule; an meiner sollten Kacheln mit einer Bildergeschichte befestigt werden, ähnlich wie bei meinen anderen Kachelarbeiten, nur eben nicht flach.

Nun also die „Pathosformel“, wie Thiele sagt. Ich denke: dann fügt sich meine Bildergeschichte an der Säule nicht ein in ein Gesamtkonzept, sondern ist Teil eines ruinenhaften, undurchdachten Sammelsuriums. Ich wähle eine andere Lösung, die der Auflösung: die Kacheln sind von der Säule abgefallen, liegen daneben wie bei einer echten Ruine. An der Säule befestigt ist nur meine Entwurfszeichnung. So wird die Konstruktion in ihre formalen Einzelteile zerlegt, die Idee und ihre materielle Gestalt stehen im Dialog wie der Säulenkörper und sein Schatten.

Zwischendrin, inmitten von Machtkämpfen und technischen Problemen, die die praktischen Unzulänglichkeiten der rein auf das Kontemplative zurückgezogenen Kunstauffassung des Herrn Thiele offenbaren, baue ich eine kleine Faunin aus Ton und lege sie vor die noch ungebrannten Kacheln, forme ein Kapitell, in das verschiedene Eindrücke meines Aufenthalts eingearbeitet sind, Abbilder von Dingen des Lebens, die da waren oder die fehlten, und die man für die Kunst manchmal unbedingt braucht (Eros, Totenschiff (leider kein Foto verfügbar), Palmblatt, Handschellen).

Fazit dieses Aufenthalts: "l'enfer est pavé de bonnes intentions"; aber immerhin habe ich verstanden, dass mein Eremitendasein in der Kunst hiermit endgültig passé ist.